Brotmanufaktur Aera: Brot ganz in Blau

Brotmanufaktur Aera: Brot ganz in Blau
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Brot ist schon lange nicht mehr nur Brot. Auch Bäckereien haben ihr Erscheinungsbild verändert. In Berlin-Mitte umgibt nun eine ganz und gar blaue Welt besonderes Brot. In der Filiale der Brotmanufaktur Aera kommen besondere Zutaten und außergewöhnliche Architektur zusammen. 

Innovative Ladenlokale sind in Berlin-Mitte keine Seltenheit. Und Innovationen im Bereich von Lebensmitteln auch nicht. Dennoch sticht die ganz und gar blaue Welt ins Auge, in der das Brot der Manufaktur Aera verkauft wird. Die Architekten Gonzalez Haase AAS haben dafür inmitten von Berlin einen Ort geschaffen, der in sattem Lapislazuli-Blau strahlt. Und das ist nicht nur innen zu sehen. Eine breite Fensterfront trägt das ungewöhnlich blaue und tiefe Innenleben von Aera Brot bis auf die Straße hinaus. Die neue Filiale ist die zweite in der Hauptstadt, in der die Manufaktur ihr glutenfreies Brot verkauft. Direkt am Rosenthaler Platz lädt neben dem Verkauf von Brot ein Cafébereich zum Verweilen ein.

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Aera Brot 

Area backt nicht einfach Brot. Vielmehr widmet sich die Manufaktur der Herstellung von Sauerteig, einer langen Fermentation auf Basis guter Rohstoffe aus biologisch-dynamischen Anbau. Das alles sind wichtige Zutaten von gutem und verträglichem Brot. Deshalb setzt Area als Anbieter von glutenfreiem Brot auch auf natürlichen Sauerteig als Triebmittel. Er vermeidet künstliche Hefen, was das Brot bekömmlicher macht. Darüber hinaus werden die Backwaren der Manufaktur möglichst lange fermentiert. Denn nur so kann sich ein komplexes Aroma entfalten und das Brot Tiefe bekommen. Area Brot ist aber nicht nur an guten Produkten gelegen. Auch ihre Webseite und ihr neues Ladenlokal zeugen von besonderem Anspruch.

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Das Innenleben der zweiten Filiale von Aera Brot ist blau gefärbt.
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Die blaue Bäckerei

So ungewöhnlich die Zutaten und Herstellungsprozesse von Aera Brot sind, so ungewöhnlich ist auch die Architektur ihrer Filiale in Berlin-Mitte. Der von Gonzalez Haase gestaltete Verkaufsraum erstrahlt monochrom in einer satten, natürlichen Farbe: der Farbe des Lapislazuli. Dieses Blau geht auf das tiefblaue Gestein des Halbedelsteins zurück. Je nach Fundort unterscheidet sich sein Mineralgehalt. In jedem Fall sorgen Lasurit, Pyrit und Calcit für einen markanten, strahlenden Blauton. Dieser dominiert auch den Verkaufsraum der neuen Bäckerei Area. Eigentlich ist blau keine Farbe, die mit Lebensmitteln zusammen gebracht wird. Aber die Architekten Gonzalez Haase entschieden sich bewußt für diesen Licht und Kühle ausstrahlenden Farbton, der in starkem Kontrast zur Hitze des Backens und der Farbe der Backwaren steht.

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Inspiration Blau

Die Inspiration für die Gestaltung der Filiale von Aera bekamen die Architekten aus Gemälden aus dem 17. Jahrhundert. Insbesondere die Werke von Jan Vermeer inspirierten sie. Dessen Wiedergabe von Licht, Schatten und Materialstrukturen faszinierte die Gestalter. Darüber inspirierte die Architekten die begrenzte Farbpalette, die Vermeer zur Verfügung stand sowie seine Verwendung von natürlichem Ultramarin. Das wird aus dem Pulver des Lapislazuli gewonnen. Dessen Blau ist äußerst farbenprächtig und sticht in der Malerei des Künstlers besonders hervor. Für genau dieses Blau entschieden sich auch Gonzalez und Haase. Sie schaffen damit einen Hintergrund, vor dem das eigentliche Subjekt erst richtig zur Geltung kommt. Das Ladenlokal erstrahlt komplett in Blau. Nur die Backwaren und die Sitzgelegenheiten setzen sich davon ab. Neben der blauen Färbung von Decke und Wänden schaffen die in die Decke eingelassenen LED-Leuchtstreifen zusammen mit dem natürlichen Licht der großen Schaufenster einen hellen, lichtdurchfluteten Ort. In dessen Mittelpunkt stehen die Brot- und Backwaren. Deren warm-goldenes Farbspektrum erscheint wie ein komplementäres Element. Es steht für die Hitze und Wärme des Backens, für lange gereiftes natürliches Gut.

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Bauliche Konzeption

Der räumliche Eindruck der Manufaktur Area lebt nicht nur von seiner Farbe. Die Architekten brachen die bestehende Baustruktur des Ladenlokals auf. Sie entkernten den 70 Quadratmeter großen Raum vollständig und legten die 3,80 Meter hohe Decke frei. Diese Klarheit wurde konserviert. Es sind keine Wände oder Kanten neu eingefügt worden. Sämtliche Flächen, von Boden, über Wände bis zur Decke, sind aus durchgefärbtem pigmentiertem Beton in einem intensiven Lapislazuli-Blau. Eine zentrale Theke verläuft diagonal durch den langen Laden. Sie unterteilt ihn in einen Verkaufs- und einen Cafébereich. Dennoch verschmilzt die Verkaufstheke in ihrer Materialbeschaffenheit, ihrer Proportion und einheitlichen Farbgestaltung optisch mit dem Raum.

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Theke und Verkaufsraum als Inszenierung

Der Verkaufsraum und der Bereich der Theke gehen einerseits ineinander über. Andererseits prägen den Bereich hinter der Theke die Ablageflächen der Backwaren aus elektropoliertem Edelstahl und der Verkaufsraum lebt von den von Gonzalez und Haase entworfenen Sitzmöbeln aus massiver Eiche. Hier spielen die Architekten bewusst mit den Erwartungen. Sie schaffen mit ihrem ungewohnten Material- und Farbkonzept einen überraschenden und gleichzeitig harmonischen Raum. Dieser verändert sich dazu noch mit unterschiedlich einfallendem Licht. Das verändert die Farbintensität des Blaus und die Oberflächenwirkung des Betons; sie reichen von hell- bis dunkelblau, von glänzend bis matt. Der Laden selbst wird durch seine Gestaltung zu einer Raumskulptur, in der die Kunden Teil der Inszenierung sind.

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Text: Juliane von Hagen

Fotos: © Thomas Meyer

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