Eine Villa in Grünwald

Eine Villa in Grünwald
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Holzrausch und Falk von Tettenborn Architekten haben eine Villa in Grünwald bei München realisiert, bei der die Gestaltung selbst die kleinsten Details einschloss.

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Stein­sich­tig: es gibt kaum eine Fläche, die in diesem Bad der Grünwal­der Vil­la nicht mit Natur­stein ver­klei­det wur­de. Foto: Oli­ver Jaist
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„Wir sind bei diesem Projekt wirklich jedes Detail hineingekrochen“, beschreibt Sven Petzold die Versessenheit, die er und sein Team von Holzrausch beim Innenausbau einer Villa in Grünwald bei München an den Tag gelegt haben. Die Innenausbauspezialisten planten und realisierten ein Interieur, das eine spannende Balance findet zwischen Materialvielfalt und Einheitlichkeit, zwischen Formreduktion und Opulenz.

Der Neubau nach einem Entwurf von Falk von Tettenborn Architekten besteht aus drei klar voneinander abgesetzten Baukörpern, die den Bau auch funktional differenzieren: Das doppelstöckige Haupthaus nimmt im Erdgeschoss Wohnbereich, Esszimmer und Küche auf, im Obergeschoss die Schlafräume der Familie. Eine repräsentative Eingangshalle verbindet diesen Baukörper mit dem danebenliegenden Gäste- und Bürotrakt. Pultdächer und Putzfassaden lassen beide Volumina aus der Distanz als optischen Einheit erscheinen. Zur Straßenseite vorgelagert ist dem Gästetrakt das Badehaus, dass den Indoorpool aufnimmt. Anders als bei den beiden anderen Bauteilen bestimmt hier eine Natursteinfassade das Erscheinungsbild.

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Zurück­hal­ten­der Auf­tritt: vor­ne das Ba­de­haus, da­hin­ter das Gäste- und das Haup­th­aus. Foto: Oli­ver Jaist
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Materialmix beim Innenausbau

Bauherr der Villa ist der Münchner Immobilienentwickler Heinz Schlehuber. Seine Sachkenntnis und Erfahrung beeinflusste den Entwurf der Villa maßgeblich. „Heinz hatte eine genaue Vorstellung davon, was er von seinem neuen Haus erwartete“, berichtet Sven Petzhold von der Zusammenarbeit. „Das war extrem angenehm, weil er dadurch präzise definieren konnte, welche Funktionen jeder einzelne Raum übernehmen sollte.“

So wünschte sich Schlehuber beispielsweise ein großzügiges Foyer für sein Haus, weil er hier Kunden empfangen will und der Bereich deshalb mehr sein sollte als ein reiner Durchgangs- und Erschließungsraum. Holzrausch regierte auf diese Anforderung mit einer Gestaltung, die in ihrer Materialität und Anmutung sowohl Elemente eines Dielen- als auch eines Wohnraums aufgreift. Die dunkle, warme Farbstimmung, die alle Materialien zusammenbindet, schlägt dabei bereits ein Grundmotiv an, das sich durch das gesamte Haus zieht. Den Auftakt bildet eine Haustür aus Schwarzstahl. Dieses Material greift Holzrausch an der Wand zum Büro- und Gästetrakt mit schmalen Metallleisten auf, die eine Wandbespannung aus grauem Leder fixieren. Die gegenüberliegende Wand ist dagegen mit anthrazitfarben lackierter Esche vertäfelt. In die Vertäfelung integriert ist eine Tür, die in eine der für Holzrausch typischen Raumzellen führt. Diese Binnenräume, die Wirtschafts- und Staubereiche aufnehmen, ermöglichen häufig erst den reduzierten Look der Holzrausch-Interieurs. Als „Architekturmöbel“ bezeichnet das Unternehmen diese Art Raum-in-Raum-Lösungen, die zumeist als aufwendige Schreinerarbeiten entstehen. In der Grünwalder Villa dient das Architekturmöbel dazu, in seinem Innern die Garderobe aufzunehmen und in seinen Außenwänden Schränke für gleich drei rundum anschließende Räume zur Verfügung zu stellen: das Esszimmer, die Küche und das Treppenhaus.

Während im gesamten übrigen Haus die Böden aus geräucherter Eiche bestehen, bilden im Foyer grau-braun getönte Terrakottaplatten den den Belag, die als Besonderheit stabförmig geformt und im Fischgrät verlegt sind. Im Zentrum des Raumes steht ein großes Poufmöbel, das von Holzrausch für den Raum entworfen und gebaut wurde. Direkt darüber ist in die Decke eine gewaltige runde Leuchte eingelassen, deren Hauptgestaltungselement reflektierende Messinglammellen sind. Entworfen und hergestellt wurde das Lichtobjekt wie auch alle übrigen Leuchten im Haus von PSLab aus Beirut, die für das gesamte Lichtkonzept verantwortlich zeichnen.

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Mu­st­er­tep­pich: Dank akri­bi­scher Pla­n­ung musste kei­ne ein­zi­ge fli­ese im Gästebad zer­schnit­ten wer­den. Foto: Oli­ver Jaist
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Gäste-WC mit Tür aus Naturstein

Ein besonderes Schmuckstück stellt das Gäste-WC dar, das aus dem Foyer heraus zugänglich ist. Sven Petzold und das Holzrausch-Team haben hier praktisch alle Oberflächen aus demselben spektakulär gewölkten Naturstein gefertigt. Selbst die Innentür wurde mit dem Stein belegt. Um auf eine Spülplatte verzichten zu können, wird der Mechanismus durch das Ziehen an einer eigens angefertigten Kordel ausgelöst. Die Beleuchtung ist hinter dem Spiegel verborgen eingebaut, das Licht dringt durch einen umlaufenden Spalt in den Raum.

Vom Foyer führt eine doppelflügelige Rauchglastür in dem Wohn- und Essbereich. Dort trennt ein ausladendes Regal mit integriertem Gaskamin die beiden Zonen. Es ist aus lasergeschnittenen Schwarzstahlplatten zusammengesetzt und ruht auf einem massiven Block aus Nagelfluh als Basis. Holzrausch trieb bei der Konstruktion des Regals einen extrem hohen Aufwand. So wurden die Stahlplatten sichtbar miteinander verzapft und der Boden in den Nagelfluhblock eingesenkt, so dass eine plane Fläche entsteht. Die Regalfächer wurden teilweise mit graupatinierten Spiegeln ausgefacht, so dass sich ein faszinierendes Spiel aus Durchblicken und Reflektionen ergibt. Die Rückseite des Wohnbereiches bildet eine Regalwand, die die Planer mit Stoff bespannen ließen.

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Der Regaleinbau mit integriertem Gaskamin ist aus lasergeschnittenen Schwarzstahlplatten zusammengesetzt und ruht auf einem massiven Block aus Nagelfluh als Basis. Foto: Oliver Jaist
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Zwei Küchen in einem Raum

Der Essbereich besitzt einen weiten Durchgang zur Küche, der aber mittels Schiebeelementen geschlossen werden kann. Diese sind wie auch die Kücheneinbauten aus lackierter Esche gebaut. Alle Beschläge sind hier aus brüniertem Messing gefertigt. Die Arbeitsplatten bestehen aus massiven Nagelfluhquadern. Funktional gliedert sich die Küche in zwei Zonen: Während zum Essbereich hin ein Frühstücksplatz und einen Wetbar zur Bereitung von Getränken – einschließlich Weinkühlschrank und Kochwasserarmatur von Quooker – angeordnet sind, dient der hintere Bereich des Raumes dem eigentlichen Kochen. Hier bildet eine große Kochinsel das Zentrum. Die beiden Küchenbereiche trennt der Durchgang ins Treppenhaus, wobei eine Schiebetür aus Esche optisch die Verbindung herstellt. Das Treppenhaus ist als eigenständige Raumeinheit ausgebildet. Eine stockwerksübergreifende Regalwand verleiht ihm den Charakter einer Bibliothek oder eines Sammlungszimmers. Auch hier bestimmen anthrazit lackiertes Eschenholz für das Regal und geräucherte Eiche für Treppe und Böden den Raumeindruck.

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Zwischen den beiden Küchenbereichen befindet sich ein Durchgang ins Treppenhaus. Foto: Oliver Jaist
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Schlafkoje für den Nachwuchs

Im Obergeschoss erschließt ein langer Flur die Schlafräume. In einem Kinderzimmer wurde das Bett als Schlafkoje gestaltet, im anderen auf einem hohen Podest angeordnet, in das große Schubladen und Fächer als Stauraum eingebaut wurden. Die Schreibtische laufen einseitig in einer Führungsschiene und sind dadurch im Raum beweglich. Hinter dem Kinder- schließt sich der Elternbereich an. Das Masterbad ist mit großformatigen Platten aus Basalt ausgekleidet. Auch hier zeigt sich die Detailversessenheit der Holzrausch-Planer in Elementen wie den bündigen Übergängen von Naturstein- und Putzflächen. „Unsere gestalterische Idee für das Bad war“, erläutert Sven Petzold, „dass die Materialstärke des Basalts nirgendwo sichtbar sein sollte.“ So wurden auch die Platten zur Verkleidung des Wannenblocks auf Gehrung geschnitten, um den Eindruck eines massiven Kubus zu erzielen. Unterschränke und Türzarge sind aus Räuchereiche gefertigt, die Duschkabine aus parsol-grauem Glas. Wie im gesamten Haus wurden auch im Masterbad Armaturen von Vola verbaut – hier in der Oberfläche schwarz matt. In der anschließenden Ankleide sind die Einbauten ebenfalls aus Räuchereiche gefertigt. Die Schrankfronten bestehen wie die Wandverkleidung aus bronzierten Spiegeln. Ein Regalbord wurde aus brüniertem Messing gefertigt.

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Mi­n­i­ma­li­st­isch: Trep­pen­ab­gang ins Un­t­er­ge­schoss. Foto: Oli­ver Jaist
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Hommage an die Fünfzigerjahre

„Oftmals beschränken wir uns bei unseren Projekten auf wenige, immer wiederkehrende Materialien“, sagt Sven Petzold. „Hier ging es uns stattdessen darum, einen breiten Materialmix zu erreichen, der durch eine verbindende Farbigkeit zusammengehalten wird und dadurch harmonisch wirkt.“ In Bezug auf die verwendeten Werkstoffen traf das Holzrausch-Team bewusst einen Auswahl abseits des Mainstreams – etwa mit der Entscheidung für lackiertes Eschenholz, wie Petzold erklärt: „Unlackierte Eiche ist momentan der absolute Standard für Holzeinbauten. Wir wollten gern zeigen, dass es so viel mehr faszinierende Möglichkeiten gibt. Das Farb- und Materialkonzept etwa, das wir hier entwickelt haben, orientiert sich in seiner Erscheinung an Vorbildern aus den Fünfzigerjahren.“

Nur an wenigen Stellen bricht die Innenarchitektur aus der vorherrschenden dunklen Farbskala aus. Etwa im Hauswirtschaftsraum im Obergeschoss, den Holzrausch in leuchtendes Orange tauchten. Oder in der Dusche des Badehauses, wo eine Vola-Armatur in knalligem Gelb einen spannenden Kontrast zu dem graugesprenkelten Naturstein bildet, aus dem hier die Wandverkleidung besteht. In dieser Hinsicht am weitesten gingen die Planer beim Bad im Gästebereich. Es scheint direkt aus einem Villenentwurf von Gio Ponti zu stammen. Geometrisch gemusterte Fliesen in weiß und blau treffen hier auf einen Waschtisch und eine Armatur aus Messing. Die gesamte Badgestaltung wurde so berechnet, das nicht einen Fliese beschnitten werden musste, so dass das räumliche Fliesendekor keinerlei Unterbrechung erfährt. „Ich gebe zu, dass unsere Detailverliebtheit zuweilen schon an Fetischismus heranreicht“, räumt Sven Petzold ein. „Aber das ist nicht das Ergebnis eines Zwangsverhaltens, sondern unseres Könnens und der Kenntnisse, die wir in 20 Jahren Holzrausch erworben haben.“

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Blick vom Masterbad in die anschließende Ankleide. Foto: Oliver Jaist
Das Schlafzimmer mit textilbespannten Schränken. Foto: Oliver Jaist
Blick in den Essbereich der Villa. Ein großes Einbauregal trennt ihn vom Wohnzimmer. Foto: Oliver Jaist
Den Mittelpunkt des Wohnbereichs bildet das Sofa von Living Divani. Foto: Oliver Jaist
Die Küche gliedert sich in zwei Zonen. Foto: Oliver Jaist
Die Quooker-Armatur liefert kochendes Wasser. Die Arbeitsplatten bestehen aus massiven Quadern aus Nagelfluh, die Rückwände der Nischen aus Messing. Foto: Oliver Jaist
Im hinteren Teil der Küche wird gekocht. Ist die Tür ins Treppenhaus geschlossen, bindet sie beide Küchenzonen optisch zusammen. Foto: Oliver Jaist
Das Treppenhaus wir durch Regaleinbauten zu einem Bibliotheksraum. Foto: Oliver Jaist
Die Regale erstrecken sich über beide Geschosse. Foto: Oliver Jaist
Eines der beiden Kinderzimmer besitzt einen regelrechten Alkoven als Schlafbereich. Foto: Oliver Jaist
Eine der Wände ist mit Tafelfarbe gestrichen und mit Kreide beschreibbar. Foto: Oliver Jaist
Im zweiten Kinderzimmer ist das Bett auf einem hohen Podest platziert, das viel Stauraum schafft. Foto: Oliver Jaist
Im Masterbad ist die Dusche mit großformatigen Granitplatten verkleidet, die bündig mit der Wandfläche abschließen. Foto: Oliver Jaist
Auch die Waschbecken wurden aus Granit gefertigt, die Armaturen stammen wie auch in allen übrigen Bädern aus dem Sortiment von Vola. Foto: Oliver Jaist
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Text: Fabian Peters